top of page
  • AutorenbildChristian Grimm

Ein Gedicht von Philippe Jaccottet


Philippe Jaccottet war ein Schweizer Lyriker. Geboren 1925 in Moudon, Schweiz, gestorben 2021 in Grignan, Frankreich. Hier aus meiner Sicht eines seiner schönsten Gedicht. Es ist überschrieben mit Voeux und abgedruckt in Französische Dichtung 4, Von Apollinaire bis heute, C.H.Beck, München 2023, S. 376. Es zeigt, wie er das präzis erfasste Konkrete mit leichter Hand hinüber führt ins Poetisch-Allgemeine.


Voeux


Le soir venu

rassembler toutes choses

dans l´enclos


Traire, nourrir

Nettoyer l´auge

pour les astres


Mettre de l´ordre dans le proche

gagne dans l´étendue

comme le bruit d´une cloche

autour de soi



Nicht einfach zu übersetzen. Hier ein Versuch:


Der Abend ist da

alles versammeln

im Gehöft


Melken, füttern

den Trog reinigen

für die Sterne


Ordnung schaffen im Nahen

gewinnt im Weiten

wie der Ton einer Glocke

um sich


151 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

s'ist Krieg

Matthias Claudius (1740 -1815) 1778 zu Beginn des bayerischen Erbfolgekrieges schrieb er folgendes Gedicht 's ist Krieg! s' ist Krieg! O Gottes Engel wehre, Und rede du darein! 's ist leider Krieg – u

Vom Verlust der Worte

Manchmal schält sich ein Wort aus der Stille und schaut dich an mit ratlosen Augen. Manchmal geht ein Wort an dir vorbei wie ein Fremder und verschwindet im nächtlichen Garten. Manchmal begegnet dir

Der Eisvogel

Comments


bottom of page